Work & Travel |Wenn Pferdeäpfel einsaugen plötzlich das Highlight des Tages ist…

Heute sind wir genau 21 Tage in Neuseeland. Drei Wochen! Dabei kommt es uns viel länger vor, als seien wir seit Monaten hier. Krass, wie das Zeitgefühl einen täuschen kann, wenn man viel Neues und Spannendes erlebt. Sightseeing in Auckland, Nannys auf Zeit für das süßeste kleine Kiwimädchen ever, filmreife Flucht vor der Chaos-Gastfamilie, stundenlange (erfolglose) Jobsuche in Hamilton, Kurztrip nach Raglan, Spontan-Einzug bei einer Hostmom mit Pferderanch… das ist nur der Schelldurchlauf. Jeder diese Punkte ist natürlich mit vielen weiteren kleinen Erlebnissen verbunden, die unsere bisherige Zeit hier in Neuseeland geprägt haben.

Die Zeit, in welcher man ein Work&Travel macht, ist einfach komplett anders als die, die man zuhause in der gewohnten Umgebung verbringt. Egal was man macht, alles ist neu und aufregend. Man sammelt so viel wertvolle Lebenserfahrung, lernt viele unterschiedliche Menschen aus aller Welt kennen und wird selbstständiger, da man Probleme und Konflikte selbst lösen muss und nicht einfach so zu Mami und Papi rennen kann, wenn etwas schiefläuft. Klar kann man mit ihnen schreiben oder telefonieren, sich Tipps holen. Aber lösen muss man die Situation letztendlich selbst. Das haben meine Freundin und ich jetzt schon des Öfteren gemerkt und siehe da: Wir haben es bisher immer irgendwie geschafft, uns aus den Tiefs und Krisen herauszumanövrieren. 

In der jüngsten Krise befanden wir uns erst letzte Woche: Wir waren nach der Flucht vor unserer Gastfamilie und 2 Übernachtungen in Hamilton für eine Nacht in einem Hostel in Raglan eingebucht und uns standen 12 weitere Tage ohne Gastfamilie und damit entweder weitere hohe Ausgaben oder eben Obdachlosigkeit bevor. Von den meisten Hosts, die wir angeschrieben hatten haben wir entweder Absagen oder gar keine Antworten erhalten. Als wir es schon fast aufgegeben und uns quasi schon auf der Straße gesehen hatten, erhielten wir dann eine positive Rückmeldung von einer Frau, die eine Pferderettungsfarm besitzt und bereit war, uns für ein paar Tage bei sich aufzunehmen. Einen Tag später sind wir schon bei ihr eingezogen.

Seitdem greifen wir ihr hier jeden Tag unter die Arme, helfen mit den Tieren und dem Haushalt und kochen abends auch des Öfteren das Dinner. Wir cruisen tagtäglich mit dem Quad auf dem 8 Hektar großen Gelände herum und erledigen damit einen Großteil unserer Aufgaben. Zuerst holen wir Baleage (das Futter für die Tiere), danach verteilen wir dieses an die Kühe und Pferde auf den Weiden und dann kommt das Highlight jeden Tages: Das Einsaugen von Pferdeäfpeln.

Ja, das macht tatsächlich richtig Spaß! Eine fährt das Quad und die andere saugt die „horse poo“ ein – mit einem Gerät, welches hinten ans Quad gehängt wird. Man muss nur den Schlauch über die Haufen halten und schon werden sie Stück für Stück eingesaugt. Man selbst kommt damit gar nicht in Berührung und es stinkt überhaupt nicht, weshalb es auch null eklig ist. Es ist sogar super lustig, besonders wenn die Fahrerin ohne Vorwarnung aufs Gas drückt, die andere fast vom Quad fällt und unter panischem Schreien versucht, sich oben zu halten. Wir hatten schon den ein oder anderen Lachflash bei unserer morgendlichen Quad-Runde. Auf die freuen wir uns auch immer am meisten, sie ist echt immer unser Highlight.

Schon irgendwie witzig… früher hätte ich mir nie träumen lassen, dass ich mal Spaß daran haben würde, Pferdeäpfel von Weiden zu saugen. Darauf hätte ich wirklich null Bock gehabt und jedem, der was anderes behauptet hätte, hätte ich den Vogel gezeigt. Aber wie gesagt: Ein Work&Travel ist etwas ganz anderes. Man tut Dinge, die man sonst nie tun würde und hat sogar Freude daran.

Ich bin eigentlich so eine Person, die oft und gerne einfach nur zuhause relaxt, Serien schaut, die sozialen Medien checkt und schläft. So sah mein After-Abi-Leben einige Zeit lang aus und ich habe es wirklich sehr genossen. Aber jetzt bin ich hier, mache jeden Tag etwas, gehe raus, arbeite, erkunde die Umgebung. Das kann ganz schön anstrengend sein und abends bin ich immer total müde – aber happy. Denn ich erlebe viel, entdecke, was es in der Umgebung so zu entdecken gibt, lerne die Nordinsel Neuseelands kennen. Das ist doch der Hammer!

Ich liebe es, zu reisen, neue Plätze und Orte zu besuchen, die Welt zu erkunden. Das ist absolut mein Ding und gerade habe ich die Möglichkeit, all das zu tun. Von Deutschland aus gesehen ist Ozeanien das „andere Ende der Welt“ und ich bin hier. Ich bin am anderen Ende der Welt. Ist das nicht krass?? So weit weg und so vieles ist anders. Die Landschaft, die Strände, das Meer, Flora und Fauna. Alles so wunderschön. Die Menschen – Maori, Kiwis, Auswanderer, andere Backpacker. Alle so freundlich und hilfsbereit und auch viel offener als in Deutschland – ich liebe diese Mentalität! Nach einiger Zeit springt sowas auch auf einen selbst um, was wir mittlerweile auch schon bemerkt haben. Wir gehen offener auf andere Menschen zu, haben weniger Probleme damit, Leute anzusprechen, Fragen zu stellen oder auch Hitchhiking zu machen, also per Anhalter zu fahren, was hier viel sicherer und „normaler“ ist als in Deutschland.

Ihr merkt also: Ich fühle mich wohl hier und genieße es, herumzureisen und neue Erfahrungen zu sammeln. Ich habe Spaß an Dingen, die ich normalerweise nie tun würde und versuche öfter, etwas Positives in Situationen zu sehen, über die ich mich sonst aufregen würde. Das klappt zwar nicht immer, aber ich versuche es wenigstens. Ich merke also schon, dass das Work&Travel mich positiv verändert und hoffe, dass das auch weiterhin so sein wird.

Übermorgen geht es weiter in die nächste Stadt – dort warten weitere Abenteuer auf uns und wir sind beide schon sehr gespannt und freuen uns darauf. Ich werde euch auf dem Laufenden halten!

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