Real Talk | Meine Zukunft

„Du wirst die Schule vermissen!“, „Die Schulzeit ist die schönste Zeit, genieße sie!“ Diese Sprüche kennt doch jeder, der sich mindestens einmal bei Erwachsenen über die Schule beschwert hat. Besonders die Eltern sagen einem das immer und immer wieder. Auch ich habe diese Sätze mehr als nur einmal gehört. „Ne, ich werde die Schule ganz sicher nicht vermissen“ und „Ich bin so froh, wenn die Schule endlich vorbei ist“ waren meine Standard-Antworten. Jahrelang. Jetzt ist die Zeit gekommen, die Schule ist für mich tatsächlich vorbei.

Abi geschafft, raus aus der „Hölle“. So kam mir die Schule in den letzten Jahren oft vor. Aber mittlerweile habe ich gemerkt, dass sie so schlimm doch gar nicht gewesen ist. Das wurde mir bereits in den Wochen nach den Abiturprüfungen und den allerletzten Klausuren langsam klar. Okay, das lag vermutlich auch daran, dass der Lernstress vorbei war und Schule nur noch aus Chillen, Filme gucken und Frühstücken bestand – also ungefähr so wie jedes Jahr in den letzten Tagen vor den Ferien. Nur dass es diesmal die letzten Tage der gesamten Schulzeit waren.

Kaum waren die vorbei, überkam mich auch schon die Wehmut. Ich hatte plötzlich so viel Zeit zum Ausschlafen, zum Relaxen – und zum Nachdenken. Über die Schulzeit und die Zeit, die jetzt kommen wird, die ungewisse Zukunft. Früher habe ich am Anfang der Sommerferien den Schulranzen in die Ecke geschmissen und sechs Wochen lang genossen, nicht in die Schule gehen zu müssen. Am letzten Ferientag war ich immer fürchterlich schlecht drauf und absolut unmotiviert und wollte am liebsten nochmal sechs Wochen dranhängen…

Gerade ist Ferienzeit in Baden-Württemberg, doch es kommt mir überhaupt nicht so vor. Während sich alle Schüler über die freie Zeit freuen und jegliche Gedanken über Schule und Lernen komplett verdrängen, denke ich umso mehr darüber nach. Natürlich bin ich froh, dass die Lernerei für Klausuren und Tests und natürlich vor allem fürs Abi ein Ende hat und ich mich in Zukunft nicht mehr mit chemischen Verbindungen auseinandersetzen oder mich Vokabeln abfragen lassen muss. Die Ordner, Blöcke und Hefte habe ich trotzdem nicht weggeworfen. Sie befinden sich immer noch am selben Ort im selben Regal wie in den letzten Jahren.

„Sortier deine Schulsachen aus“, „ich dachte, du wolltest sie verbrennen“ höre ich meine Mutter immer wieder sagen. Wollte ich mal, will ich nicht mehr. Ich brauche sie nicht mehr, habe seit dem Schulabschluss nichts davon auch nur einmal hervorgeholt und werde dies so schnell vermutlich auch nicht tun. Doch ich kann sie einfach nicht wegwerfen und schon gar nicht verbrennen. Denn diese Sachen – Aufschriebe, Arbeitsblätter, Klausuren – all das Zeug, das ich so lange verflucht habe, gibt mir jetzt eine gewisse Art von Sicherheit. Auch wenn es keine wirkliche Sicherheit ist, alleine das Gefühl davon hilft mir irgendwie.

Denn die tatsächliche Sicherheit, die ich jahrelang hatte, ist einfach weggebrochen. Die Schule war immer so ein „Safe Haven“. Der sichere Hafen, zu dem man nach dem Wochenende, dem Feiertag, den Ferien zurückgekehrt ist. Man wusste, wie es im nächsten Monat weitergeht und im nächsten Jahr und dem Jahr danach. Schule, Hausaufgaben, Klausuren. Darauf hatte man zwar keine Lust, aber es war einfach ein fester Bestandteil des Lebens, man wusste: „So wird es sein“, wusste „irgendwann kommt das Abitur“. Bis dahin war aber immer so viel Zeit, es schien unfassbar weit weg, irgendwo in der Zukunft.

Doch dann fing die Zeit an zu rasen, das Abi kam es immer näher und näher und dann war es auch schon wieder um.  Geschafft, bestanden. Ja und? Jetzt weiß man gar nichts mehr. Was wird nächstes Jahr sein? Studium, Job? Wo wird man überhaupt leben? Was ist mit der Familie, den Freunden? Wie oft wird man sich sehen? Wird der Kontakt bestehen bleiben oder werden die jetzigen besten Freunde nächstes Jahr nur noch entfernte Bekannte sein?

Natürlich ist es aufregend, spannend, nicht genau zu wissen, was kommt, keine asphaltierte Straße mehr vor sich zu haben, sondern übers Feld zu gehen. Selbst zu entscheiden,  sich auch mal umentscheiden, vielleicht einmal, zweimal oder immer wieder. Sein Leben, seine Zukunft selbst zu bestimmen, anstatt es von anderen bestimmen zu lassen. Einfach mal sein Ding durchzuziehen. Den Kurs zu ändern, wann immer man möchte. Es gibt unzählige Möglichkeiten, so viele Chancen. Das ist toll, wirklich. Aber irgendwie auch krass. Man wurde rausgerissen aus dem sicheren, behüteten Schulleben und ins Haifischbecken Real life geschmissen. Es ist einfach anders als in der Schule, härter. Das hört man als Schüler ständig und glaubt es nicht so ganz, bis man dann selbst mittendrin steckt und sich zurechtfinden muss.  Andere wollen die vielen Möglichkeiten auch nutzen, die Chancen ebenfalls ergreifen. Also muss man darum kämpfen, sich durchboxen.

Feste Regeln und Vorgaben waren zwar sowieso noch nie mein Ding. Über die Linien malen und meinen eigenen Weg gehen, das war meins und ist es immer noch. Doch dass jetzt die Zeit ist, in der es gar keine Linien mehr gibt und ich mehr denn je meinen eigenen Weg suchen, finden und gehen muss, macht mir irgendwie etwas Angst. Es gibt mir gleichzeitig aber auch ein gutes Gefühl, erfüllt mich mit Vorfreude auf das was kommt, was auch immer das sein wird. Ich weiß, dass ich Ende dieses Monats ans Ende der Welt fliegen, bis Ende Dezember in Neuseeland und Australien sein werde.

Doch das ist erst der Anfang meiner Zukunft. Was danach kommen wird, weiß ich noch nicht so genau. Ich habe Pläne, aber ob und wie ich diese genau umsetzen werde, kann ich jetzt noch nicht absehen. Doch egal, was kommt, wo ich wann sein und was ich tun werde – ich bin sehr gespannt darauf.

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